Schwer beeindruckt von der Schönheit und Energie der Natur sind wir heute von unserem Overnight Cruise im Doubtful Sound zurückgekommen. Das wollten wir vor zwei Jahren auch schon machen, hatten damals aber keine Plätze mehr bekommen. Diesmal hat es aber geklappt!
Der Doubtful Sound liegt im Fiordland Nationalpark, der zum Te Wahipounamu-Weltnaturerbegebiet der Unesco gehört. Er ist etwas abgelegener und touristisch deutlich weniger erschlossen als der große Bruder Milford Sound. Schaut Euch das mal bei Google Maps an, damit Ihr eine Idee von den Örtlichkeiten bekommt. Oder auf den Fotos, die ich gerade hochgeladen habe.
Die Tour beginnt mit einer Fahrt von Te Anau nach Manapouri. Den Lake Manapouri haben wir mit einem Boot überquert, angeblich der schönste See Neuseelands (wer immer das auch entschieden hat...). Bei der Überfahrt kam schon etwas die Sonne durch, die steilen Bergwände und die Gipfel waren aber zumeist noch mit Wolken verhangen. Die Wettervorhersage des Kapitäns: "Folks, the forecast looks very good for the next two days, 50% chance of sunshine and 50% chance of rain." Normalerweise liegt die Regenwahrscheinlichkeit hier bei 90 % und höher, da es über 200 Regentage im Jahr gibt. Und mit Regen meinen die richtigen Regen, kleine Schauer werden da nicht mitgezählt. Also, wir scheinen Glück zu haben!
Am anderen Ende des Sees am Westarm müssen wir dann den Wilmot Pass per Bus überqueren. Die Passstraße wurde erbaut, um das schwere Gerät zu dem unterirdischen Wasserkraftwerk zu bringen, das in Westarm in den 60ern gebaut wurde. Die Wasseroberfläche des Sees liegt ca. 180 m über dem Meeresspiegel am Doubtful Sound, so dass über Tunnel das Wasser zu den Generatoren herabfällt, und dort die Energie erzeugt wird. Interessant ist auch, dass der See knapp 500 m tief ist, das heißt, dass knapp 300 m in der Tiefe unterhalb des Meeresspiegels liegen.
Das Kraftwerk ließen wir links liegen und sind in den Bus umgestiegen. Unser Busfahrer Chris: "For those who don´t like steep and winding mountain roads: enjoy the trip. The brakes are tested once a year - the appointment is for tomorrow."
Da in Neuseeland nicht so viel gebremst wird, sind wir wohlbehalten am Schiff angekommen. Unsere Kajüte "Atlantic" mit zwei Doppelstockbetten haben wir mit einem australischen Paar geteilt. Sehr nett und lustig, leider haben beide "etwas" geschnarcht, wie sich später herausgestellt hat. Aber darauf muss man sich halt einlassen, wenn man Geld bei der Unterkunft spart.
Und los gings: erstmal Schiff erkunden (also wo ist die Bar und wo ist das Aussichtsdeck). Und dann kam auch schon direkt eines der Highlights. Eine große Gruppe Fiordland Bottlenose Dolphins, die auf der Jagd waren. Dort haben wir angehalten, bzw. haben versucht, sie langsam zu verfolgen. Echt toll, wenn die Delfine aus dem Wasser springen, und man sie dann ganz sehen kann. Manche sind bestimmt über 2 m hoch gesprungen.


Nach einer Weile waren sie dann aber zu weit weg, und schließlich wollten wir auch noch was anderes sehen. Weiter gings dann vorbei an steilen Fjordwänden, einigen Wasserfällen, und Felsabbrüchen, die durch ein Erdbeben vor 8 Jahren verursacht wurden, das in der Nähe des Fjords sein Epizentrum hatte. Der Regenwald nimmt aber auch diese Stellen relativ schnell wieder in Beschlag. Zuerst kommt das Moos (so dass alles zumindest schon mal weider grün aussieht), bis alles aber wieder zugewachsen ist, dauert es natürlich etwas länger. Aber diese Stellen helfen dem Urwald, sich zu verjüngen. All das wurde sehr schön und lustig von unserem Guide Wattsie erklärt, der cool auf dem Deck abhing, hin und wieder herumschlenderte und wahrscheinlich auch die Sonne genoß.
In einem Ableger des Fjords (Crooked Arm) wurden dann Wasseraktivitäten angeboten. Wir haben uns für das Kajak entschieden, hatten wir ja schließlich schon zwei Mal diesen Urlaub gemacht. Diesmal ging es allerdings mit Einsitzern aufs Wasser. Ohne Spritzschutz und eine extrem wackelige Angelegenheit. Aber das Meer war halbwegs ruhig, so dass keiner umgekippt ist. Und mit der Zeit hat man sich dann auch immer besser daran gewöhnt. Wir hatten extra unsere wasserdichte Einwegkamera eingepackt, aber bei dem Rumgeschaukel auf dem Kajak haben wir am Anfang erstmal schön das Plastik angetatscht, hinter dem die Linse ist. Da wir uns aber vorher noch schön dick mit Insektenschutz gegen die lästigen Sandflies eingerieben hatten, hat das Mittel das ganze Plastikgehäuse angegriffen und richtig eingetrübt... Mist! Zum Glück konnte man aber die eigentliche Kamera aus dem Gehäuse herausnehmen, was ich dann auch an manchen Stellen gemacht habe. Das heißt erstmal geschaut, dass keine Wellen kommen, keiner in der Nähe ist, der einen nass machen oder rammen könnte, dann schnell die Kamera raus, schnell drei Mal abgedrückt und sofort wieder in Sicherheit bringen. Schaun mer mal, ob das was geworden ist. Wenn ja, sind bestimmt ein paar coole Fotos dabei!
Ein gutes Stück weiter unten von Crooked Arm sind wir dann wieder an Bord gekraxelt. Ich hab es halbwegs gut geschafft, Andi ist bei dem Versuch, auf den Anleger zu kommen, leider etwas weggerutscht und hat sich das Knie und das Schienenbein angehauen. Gab einen schönen blauen Fleck und ne dicke Beule, aber zum Glück nichts wirklich Schlimmes. Wir haben dann erstmal einen Eisbeutel besorgt, um die Schwellung nicht ganz so groß werden zu lassen.
Am Ende des Arms haben wir einen weiteren Zwischenstopp eingelegt. Diesmal schwimmen im Fjord. Richtig erfrischend nach der Kajaktour, bei 19°C Wassertemperatur! Die Langweiler sind über eine Seitentreppe rein, die anderen über eine kleine Trittleiter über die erste Reling, waren wohl knapp drei Meter Sprunghöhe. Das letzte Mal, dass ich einen Köpper aus der Höhe gemacht habe, war wahrscheinlich in der Schulzeit. Aber hat voll Laune gemacht, und ich bin direkt nochmal hoch, nachdem ich mich etwas warmgestrampelt hatte, und mich an die Wassertemperatur gewöhnt hatte (und Andi im Wasser begrüßt hatte, die über die Seitentreppe reinging...).
Interessant war das Wasser. Überhaupt nicht salzig, so gut wie Süßwasser, braun und wenn man nach unten geschaut hat, tiefschwarz. Etwas unheimlich, wenn man unter Wasser die Augen aufgemacht hat. Das Wasser war allerdings nicht durch irgendwelche Schmutz- oder Schlammteilchen so braun, sondern weil hier eine Schicht aus ein paar Metern Süßwasser (durch die vielen Regenfälle) auf der eigentlichen salzigen Meerwasserschicht liegt, die sich so gut wie nicht vermischen. Das Wasser an sich war total klar. Da aber trotzdem kein Licht in die tieferen Bereiche trifft, sollen sich hier Tierarten angesiedelt haben, die man sonst nur in der Tiefsee findet. Noch ein Grund, nicht weiter in die schwarze Tiefe abzutauchen.

Nach einer heißen Aufwärmdusche gings dann weiter, vorbei an einer stinkenden Seebärenkolonie hinaus auf die Tasman Sea, vorbei an Secretary Island, und wieder zurück über den Thompson Sound in den Doubtful Sound. Diesen Teil der Reise können Sie nur sehr selten machen. Aber da wir so ein Schwein mit dem Wetter hatten, und die Tasman Sea dementsprechend ruhig war, konnten wir die Umrundung von Secretary Island machen. Immer wieder begleitet von netten Erklärungen und Anekdoten. Der Name "Doubtful Sound" (früher Doubtful Harbour) kommt z.B. daher, weil der Entdecker James Cook seine Zweifel hatte, ob er jemals wieder aus diesem Hafen (bzw. Fjord) heraussegeln könnte, aufgrund der Enge und der ständigen Westwinde.
Während der Rückfahrt in den Doubtful Sound gab es Abendessen. Ein sehr leckeres Buffet, dazu gab es wie immer eine Flasche Sauvignon Blanc, unseren Lieblingswein hier. Am Tisch saßen wir mit Ian und Kioni aus London, die auf 6-monatiger Weltreise sind. Wir haben uns sehr gut unterhalten und viel gelacht, so dass wir voll die Zeit vergessen hatten, und dementsprechend die letzten waren, die in die Kojen gegangen sind (wie immer).

Vorher sind wir allerdings noch auf das Aussichtsdeck gegegangen, um unseren Ankerplatz im First Arm noch etwas zu genießen. Sehr schön und idyllisch, immer wieder unterbrochen durch Vogelrufe. Und durch den Überflug der ISS, der Internationalen Raumstation. Wie der Zufall so will, hab ich genau in dem Moment ein paar Nachtaufnahmen gemacht. Wir waren uns zuerst nicht sicher, ob sie es wirklich war, aber wir haben es heute im Internet nachgeschaut, und uns dort versichert.

Geweckt wurden wir am nächsten Tag vom Anker lichten, um kurz nach sechs. Der Kapitän hat dann auch gleich wieder Fahrt aufgenommen. Als wir dann zum Frühstück oben waren, waren wir schon wieder Mitten auf dem Fjord unterwegs. In der Morgenstimmung mit Sonnenaufgang, wenn die ersten Sonnenstrahlen dann so langsam in die steilen Fjordhänge eintauchen, wirklich wunderschön. Als letztes folgte dann noch ein Abstecher in einen der letzten Seitenarme, vorbei an der höchsten Steilwand im Fjord. Am Ende des Arms hat uns der Kapitän dann gebeten, auf die Aussichtsplattform zu kommen und sich dort ruhig zu verhalten und nicht zu fotografieren, um den "Sound of Silence" genießen zu können. In dieser Zeit hat er auch alles auf dem Boot abgeschaltet, also wirklich absolute (Zivilisations-) Stille. Abgesehen von den Morgenrufen der Vögel und dem Plätschern eines kleinen Wasserfalls. Toll und besinnlich!
Auf dem Rückweg zu Deep Cove, unserer Anlegestelle, sind wir noch einem Little Blue Penguin beim Frühstücken (oder Plantschen) begegnet. Eine weitere Art, die es nur im Fiordland gibt, und die kleinste Pinguinart der Welt ist (ausgewachsen gerade mal 1-1,5 kg schwer). Das hat Spaß gemacht, den kleinen Kerl im Wasser plantschen zu sehen. So richtig gestört hat ihn unser Riesenschiff auch nicht, aber er hat trotzdem immer einen ausreichenden Sicherheitsabstand gelassen.
Der Rückweg war dann wieder der gleiche, diesmal mit bestem Wetter auf dem Lake Manapouri. Wir waren einfach nur glücklich, dass wir diesen Ausflug gemacht hatten. Ein tolles Erlebnis!