Erstmal mußten wir knapp 4 Stunden mit dem Bus fahren, um überhaupt zum Ausgangspunkt zu kommen. Und das um 7 Uhr morgens! Auf dem letzten Stück von Te Anau zur Divide, dem Startpunkt der Wanderung, sind wir mit 4 DOC Rangern zusammengefahren. Das DOC (Department of Conservation) ist die Naturschutzbehörde, die sich um die Nationalparks kümmert. Das heißt auch, Tiere, die das natürliche neuseeländische Tierleben bedrohen (wie zum Beispiel Possums, Ratten, Katzen, Hunde und Kaninchen) zu jagen bzw. Fallen zu stellen.
Interessant sind dann die Geschichten, die die Ranger untereinander erzählen. Zum einen, dass eine Mitarbeiterin das erste Mal auf Kaninchenjagd war, und dann genau erzählt hat, wie sie ihre 18 Kaninchen erlegt hat (und der Busfahrer nur so: "Wie, nur 18? Das ist ja gar nichts!"). Und dass die Kaninchen ja eigentlich ein sehr schönes Fell haben, aber man nichts so richtig daraus machen kann. Deswegen hatte sie überlegt, aus den erlegten Tieren kleine Fingerpuppen zu basteln. Mit Kopf und Körper und dem weichen Fell... Wär bestimmt der Riesenrenner... Oder dass sie von einem anderen Ranger ein Stück Wildfleisch bekommen hat, von dem sie nicht so genau wußte, was es war. Und es hat gestunken!!! Aber anstatt es wegzuschmeißen, hat sie es erstmal schön gekocht, und dann ein Curry draus gemacht, um den ekelhaften Geruch zu übertünchen.
Als wir sie dann auch ein paar Dinge gefragt haben und ins Gespräch gekommen sind und von unseren Wanderplänen erzählt hatten, meinte sie nur trocken: "Enjoy your dry feet!" Spaßvogel. Aber sie sollte recht behalten.
Bei einer kurzen Mittagspause auf der Howden Hut sind wir dann das erste Mal mit einer neuseeländischen Truppe ins Gespräch gekommen, die wir dann die nächsten Tage immer wieder getroffen haben, da sie die gleichen Etappen geplant hatten. Das war sehr lustig, und erstaunlich, was die alles aus ihrer Rucksäcken gezaubert haben, und das, obwohl sie schon 2 Übernachtungen länger unterwegs waren als wir! Am letzten Tag hatten sie immer noch eine frische Zitrone und Petersilie dabei, mit der sie dann abends gekocht haben. Und am Zielpunkt hatten sie auch ratzfatz noch schnell ein Picknick aufgefahren, um die Wartezeit auf den Bus zu verkürzen. Mir kam es so vor, als ob die nur Essen dabei hatten, und keine Klamotten in den Rucksäcken hatten.
Am nächsten Morgen sind wir dann mit Regen aufgewacht. Vorhersage des Hut Wardens: es wird noch schlimmer am Nachmittag. Ganz toll. Schnell noch etwas Frühstück reingedrückt. Andi hatte zum Frühstück Porrigde (Andrea: "Geiler Schleim!"). Ich hatte wenigstens Knäckebrot, mal was halbwegs festes.) Da wir erstaunlich gut und dank Ohropax auch lang geschlafen hatten, kamen wir erst etwas später weg. Aber da uns eh klar war, dass wir nass werden würden, war dass jetzt auch schon egal.
Los gings, am Anfang noch im Regenwald, aber bald darauf steil in Serpentinen bergauf, um einen Bergkamm herum, und dann entlang der Flanke des Hollyford Valleys. Und ab da wurds lustig. Eigentlich könnte man es auch als Wasserfallwanderung bezeichnen. Der Weg hat sich in einen mehr oder weniger tiefen Bach verwandelt, teilweise bis knöcheltief und noch mehr. Und das dann bis zur nächsten Hütte. Und dazu ein ziemlich heftiger Wind, der einem den Regen fast horizontal ins Gesicht getrieben hat. Also, Kopf runter und durch. Aber egal, es gab eh nichts zu sehen. Das Hollyford Valley war unten in den Wolken, die Bergspitzen über uns waren in den Wolken. Immerhin konnten wir geradeaus gucken und hatten da ganz gute Sicht. Sehr schade, denn das war eigentlich der Abschnitt mit den tollsten Ausblicken, auf insgesamt 3 Täler.
Ich habe mich nur gefragt, wo das ganze Wasser auf dem Weg und in den Flüssen herkam. Denn wir waren eigentlich nicht weit entfernt von den Gipfeln. Als wir dann den Harris Saddle überquert hatten, hatten wir auch etwas Ruhe vor dem Wind und konnten die Aussicht auf die Hochebene und den Lake Harris genießen. Und ich habe mir eingebildet, dass der Regen hier auch nicht mehr so stark war, aber wahrscheinlich hab ich ihn einfach schon nicht mehr wahrgenommen.
Nach Überquerung des Sattels waren wir auch schon gleich an der Routeburn Falls Hut, unsere 2. Station. Wirklich sehr schön gelegen, später am Abend kamen sogar ein paar kleine blaue Fetzen des Himmels durch die Wolken, mit Regenbogen und nebligem Blick ins Routeburn Tal. Zum Glück war auf den Hütten abends ein Holzofen an, sonst wäre es wahrscheinlich sehr ungemütlich geworden. Aber unsere Rücksäcke waren dicht, und wir konnten abends was trockenes anziehen. Die ganze Gore Tex Regenkleidung und Wanderschuhe hatte nicht wirklich viel gebracht. Aber wahrscheinlich wäre es ohne noch schlimmer geworden. Zumindest in den Schuhen war es mir nie ungemütlich, auch wenn ich abends beim Ausziehen gemerkt habe, wie nass der Innenraum und die Socken dann doch waren. Nach einem Abendessen mit nochmal geilem Schleim sind wir dann aber auch bald ins Bett.
Der letzte Morgen überraschte uns dann mit strahlend blauem Himmel und einem wunderbaren Sonnenaufgang. Irgendwie unwirklich, nach den ersten 2 Tagen. Da wir leider um 14 Uhr den Bus erwischen mussten, der uns zurück nach Queenstown bringen sollte, konnten wir nicht noch etwas Zeit auf der Hütte verbringen. Ich bin aber dennoch ein kleines Stück des Wegs zurückgegangen, um von dort die Aussicht auf die Berge und das Tal, in dem der Routeburn silbern glitzterte, zu genießen. Durch das ganze Dreckwetter haben wir hier oben auch keinen einzigen Kea (neuseeländischer Bergpapagei) gesehen, auf die sich Andi schon so gefreut hatte. Aber wir haben ja noch eine Chance auf dem Kepler Track.
Der letzte Tag war dann echt traumhaft. Abstieg ins Routeburn Tal, und dann entlang des Flusses bis zum Parkplatz. Immer wieder neugierige kleine Vögel am Wegrand (ich glaube, das waren Robins), die uns interessiert zugeschaut haben. Hier sind wir dann auch ein Stück mit der neuseeländischen Wandertruppe zusammengegangen, die uns dann auch ein bisschen was von ihren Wanderungen erzählt haben, und wie sehr sie gerne nochmal nach Europa möchten.
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