Unsere "Shotover-Triple-Challenge" fing mit einer Jetboat-Tour auf dem Shotover-River an. Ein Jetboat hat ca. 500 PS, saugt vorne das Wasser ein und presst es hinten in einem dünnen Strahl wieder raus. Logischerweise sind sie dadurch ziemlich schnell und man kann damit auch über sehr flaches Wasser fahren. In die Dinger passen 14 Leute rein und sie sind oben offen. Und ohne Anschnallen natürlich.

Unser Pilot war Glenn. Zu den wirklich coolen Leuten in Neuseeland gehören - neben Rafting-Guides - die Jetboat-Piloten. Glenn war früher Cop und ist Jetboat-Pilot geworden, weil er Lust auf mehr Action hatte. Die Fahrt ging durch den Shotover-Canyon, der an einigen Stellen ziemlich eng ist. Und unser Glenn ist an einigen Stellen so nah am Felsen vorbeigeheizt, daß alle Passagiere den Kopf eingezogen haben - auch die, die nicht am Rand saßen. Die Spezialität der Jetboats ist der 360-Grad-Turnover. Dabei wird mit Karacho so in die Kurve gerast, daß sich das Jetboat um 360 Grad dreht. Der coole Glenn macht vorher ein cooles Zeichen, damit sich alle festhalten können. Der Shotover fließt durch eine sehr steile Schlucht und hat graublaues, eiskaltes Wasser, da es aus einem Gletscher kommt. Im Sonnenschein ein wirklich spektakuläres Bild. An einer Stelle saß am Flußufer ein Habicht, der sich erstmal nicht hat stören lassen. Er hat das Jetboat interessiert angeguckt und ist erst weggeflogen, als ihn die Wellen überrascht haben.
Dann weiter mit der ganzen Herde zum Raften. Die Prozedur mit den Umziehen kannten wir ja schon vom letzten Mal. Also alle anstellen, Anzug, Jacke und Schuhe anziehen, Helm und Schwimmweste abholen. Es wurde schnell gemütlich warm, weil wir die Mittagstour gebucht hatten und ein schwarzer Neoprenanzug nicht sehr atmungsaktiv ist. Dann 15 Min Fahrt mit dem Bus zum Helikopter-Landeplatz. Der Flug war der Wahnsinn. Der Pilot - natürlich saucool - ist geflogen wie ein Irrer und hat sich beim Flug durch die Berge schön in die Kurven gelegt. Teilweise war die Kabine nicht unter dem Rotor, sondern stand im 90-Grad-Winkel zum Boden. Das Mädel, daß neben dem Piloten saß, fand es wohl nicht ganz so lustig wie wir und hat sich am Haltegfriff festgekrallt und vor Schreck geweint. Vorallem, nachdem der Pilot den Hubschrauber so hat absacken lassen, daß wir kurz mal schwerelos waren. Parabelflug für Arme sozusagen. Der Pilot fands anscheinend ganz amüsant und hat in aller Ruhe eine Kotztüte rausgekramt und ihr angeboten. Anscheinend kann man einen Huschrauber auch freihändig fliegen...
Bis die anderen mit dem Bus am Startplatz angekommen sind, haben wir uns schonmal im Fluß abgekühlt. Die Strömung war schon im flachen Wasser so stark, daß man aufpassen mußte, nicht schonmal vorzutreiben. Freundlicherweise hat uns ein Jetboatpilot auch nochmal naßgespritzt.
Als alle da waren, gabs eine Sicherheitseinweisung: falls man reinfällt cool bleiben und im Fluß nicht aufstehen ("Knees don´t bend into that direction."), vorsicht mit den Paddeln im Boot usw. Endlich gings dann los! Unser Guide Heath hat uns gut beschäftigt ("Paddle hard, guys!"), es war aber auch zwischendurch mal Zeit für ein Schwätzchen. An einer ruhigen Stelle im Fluß
konnten die Mutigen mal kurz schwimmen. Henning ist also im Raft geblieben und ich bin reingehüpft. Wassertemperatur ca. 6 Grad - Saukalt!!! Leider kamen wir alleine nicht mehr ins Raft rein. Die Strömung war stark, der Rand vom Boot relativ hoch und ein Neoprenanzug macht auch nicht grade gelenkig. Also wurden wir wie nasse Säcke ins Boot gezogen. Dann kamen die Stromschnellen, die wir vom letzten Mal schon kannten: "Jaw" (der gerne mal beißt), "The toilet", "The flush", "o shit", Pinball" und "mother-in-law". Nach dem Erdbeben in Christchurch hat sich allerdings auch eine neue gebildet. Vielen Dank dafür! Wir haben die Stromschnellen und den 170m langen Oxenbridge-Tunnel (angeblich der längste Rafting-Tunnel der Welt) natürlich ohne Umkippen bewältigt. Und sahen dabei auch noch verdammt cool aus. Gehört ja schließlich aus dazu! Schön wars mal wieder!!!